… und warum das für Österreicher gefährlich ist

 

Cannabis am Steuer in Österreich: kein fixer THC-Grenzwert — das ist kein Vorteil, sondern eine Gefahr! In Deutschland gilt seit April 2024 ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. In Österreich existiert hingegen kein solcher Schwellenwert. Das klingt nach einem Vorteil für Fahrer — ist aber in der Praxis das Gegenteil.

Das Fehlen eines fixen Grenzwertes bedeutet, dass die österreichischen Behörden einen breiteren Ermessensspielraum haben. Wer positiv getestet wird, muss nicht zwingend beeinträchtigt gewesen sein – aber er muss das plausibel machen. Und ein positiver Speicheltest allein reicht als Indiz, um ein Verfahren einzuleiten. Cannabis kann je nach Konsumfrequenz noch Wochen nach dem letzten Konsum nachweisbar sein.

Für Grenzpendler bedeutet das: Wer in Deutschland legal konsumiert und danach – vielleicht Tage später – in Österreich fährt und dabei positiv getestet wird, steht vor einem Problem. Dass der Konsum legal war, spielt für das österreichische Verwaltungsstrafverfahren keine Rolle. Relevant ist nur, ob zum Zeitpunkt des Lenkens eine Beeinträchtigung vorlag – und das ist schwerer zu widerlegen, als die meisten denken.

Als Strafverteidiger auch mit Schwerpunkt Verkehrs- und Suchtmittelrecht betreue ich Mandant:innen in Führerscheinverfahren nach § 5 StVO. Die häufigste Aussage dabei: ‚Ich dachte, das ist längst aus meinem System.‘ Manchmal stimmt das sogar … aber man muss es beweisen können.

Mehr zu diesem Thema: Beratung bei Führerscheinentzug

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DENN: Cannabis darf nicht über die Grenze!

Cannabis nach Österreich über die Grenze zu bringen ist strafbar — auch wenn es in Deutschland legal erworben wurde.

Ich nenne es das ‚Souvenir-Problem‘: Jemand fährt nach München, kauft auf einem Wochenmarkt ein paar Dinge — und steckt noch einen Joint ein, weil das doch jetzt legal ist. Es ist ein kleines Missverständnis mit möglicherweise einem Strafverfahren als Konsequenz.

Der Grundsatz ist eindeutig: Cannabis über die österreichische Grenze zu bringen ist eine Straftat nach § 27 SMG – unabhängig davon, wie man es erworben hat, wie viel es ist und wie die Rechtslage am Herkunftsort aussah. Das Schengen-Abkommen schafft zwar keine systematischen Grenzkontrollen, aber es schafft keine drogenrechtliche Freizone.

Was viele nicht wissen: Österreich führt anlassbezogen und stichprobenartig Kontrollen an der deutschen Grenze durch. Wer dabei erwischt wird, kann sich nicht darauf berufen, dass sein Cannabis in Deutschland legal war. Das spielt keine Rolle. Entscheidend ist österreichisches Recht – und das ist eindeutig.

Als Strafverteidiger der Kanzlei Lanzinger in Wels verteidige ich regelmäßig Mandanten, die genau in diese Falle getappt sind. Der typische Fall: junger Mensch, gute Absichten, völlige Überraschung. Die beste Verteidigung ist Wissen im Voraus — nicht der Anruf danach. Wer Cannabis-Transport nach Österreich plant, sollte wissen: § 27 SMG gilt lückenlos, unabhängig vom Herkunftsland … und selbst wenn die Konsequenz unter Umständen nicht sehr problematisch ausfällt, ein Problem mit dem Führerschein kann es allemal werden … bis hin zur Führerscheinentziehung.

Zur rechtlichen Grundlage: § 27 SMG – Unerlaubter Umgang mit Suchtgiften

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Was dürfen Österreicher mit Cannabis in Deutschland? Die Antwort enthält eine rechtliche Lücke, die kaum bekannt ist: Besitz bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit ist für Erwachsene legal — aber es gibt keine legale Möglichkeit, Cannabis in Deutschland als Tourist zu kaufen.

Das klingt absurd, ist aber rechtlich exakt so. Der Besitz von bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit ist für Erwachsene erlaubt. Aber der Kauf ist nur über Cannabis Social Clubs möglich – und die setzen einen deutschen Wohnsitz voraus. Ein österreichischer Tourist kommt dort nicht rein. Wer sich trotzdem auf anderen Wegen versorgt, bewegt sich im illegalen Bereich.

Das Pikante daran: Wer in Deutschland legal 25 Gramm besitzen darf, muss dieses Cannabis irgendwoher haben. Für Österreicher ohne deutschen Wohnsitz gibt es de facto keine legale Quelle. Das deutsche Recht hat hier ein strukturelles Problem geschaffen, das in der öffentlichen Diskussion kaum auftaucht.

Für die Rückreise nach Österreich gilt ausnahmslos: Kein Gramm Cannabis darf mitgenommen werden. Selbst wenn der Besitz in Deutschland völlig legal war — der Grenzübertritt nach Österreich macht daraus eine Straftat nach § 27 Suchtmittelgesetz. Das ist keine Grauzone, das ist geltendes Recht. Ich verteidige als Strafverteidiger in Wels immer wieder Mandanten, die genau in diese Falle getappt sind.

 

Rechtsgrundlage: § 3 KCanG – erlaubter Besitz in Deutschland

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Cannabis ist in Deutschland seit dem 1. April 2024 für Erwachsene legal — in Österreich gilt das nicht. Als Strafverteidiger in Wels bekomme ich seit der deutschen Legalisierung regelmäßig diese Frage: ist Cannabis in Deutschland für Erwachsene legal. Seitdem bekomme ich in der Kanzlei eine Frage häufiger als jede andere: ‚Gilt das jetzt auch für uns?‘ Die Antwort ist kurz: Nein. Und wer das ignoriert, riskiert ein echtes Strafverfahren.

Was sich geändert hat: In Deutschland darf man bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit und 50 Gramm zu Hause besitzen. Drei Pflanzen darf man selbst anbauen, und seit Juli 2024 gibt es die sogenannten Cannabis Social Clubs. Das klingt nach einer Revolution – aus österreichischer Perspektive ist es das aber nicht.

Was sich in Österreich geändert hat: Nichts. § 27 SMG gilt unverändert. Besitz ist strafbar, Erwerb ist strafbar, Konsum ist strafbar. Die Diversion nach § 35 SMG ist möglich, aber kein Automatismus. Und wer Cannabis über die Grenze bringt – egal wie viel und egal wie es erworben wurde – begeht in dem Moment, in dem er österreichischen Boden betritt, eine Straftat.

Das Irrtumspotenzial ist enorm. Als auf Suchtmittelrecht spezialisierter Rechtsanwalt erlebe ich täglich, dass Mandanten in Deutschland legal konsumiert haben und nicht verstehen, warum ich zum Schweigen rate. Das Strafrecht folgt dem Territorialprinzip: Cannabis-Besitz in Österreich ist nach § 27 SMG strafbar — unabhängig davon, was im Nachbarland gilt.

 

Was das SMG in der Praxis bedeutet: Strafverteidigung im Suchtmittelrecht

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Heute ist der 4. Mai – und für alle, die wie ich dem Star Wars-Universum zugetan sind, ist das natürlich der Star Wars Day: May the 4th be with you!

 

„Willst du ein paar Killersticks kaufen?“

Wer Episode II – Angriff der Klonkrieger kennt, erinnert sich an den Slythmonger Elan Sleazebaggano, der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi im Outlander-Nachtclub auf Coruscant mit dieser Frage konfrontiert – und prompt per Macht-Geistestrick dazu gebracht wird, sein Leben zu überdenken. Eine charmante Lösung, die uns im österreichischen Recht leider nicht zur Verfügung steht.

Aber was genau sind Killersticks eigentlich? Laut der Star Wars-Enzyklopädie Jedipedia handelt es sich dabei um einen Extrakt aus Balo-Pilzen und der Ixetal-Pflanze, der in kleinen Glaszylindern verkauft wird. Die Droge erzeugt sofortige Euphorie, macht bereits nach einer einzigen Dosis abhängig und verkürzt mit jeder weiteren Einnahme die verbleibende Lebenszeit des Konsumenten – ein wahrlich galaktisch schlechtes Geschäft.

Killersticks im Licht des SMG

Das österreichische Suchtmittelgesetz (SMG) regelt, welche Stoffe als Suchtmittel gelten. Entscheidend für die strafrechtliche Einordnung eines Stoffs ist zunächst: Ist er überhaupt erfasst?

Killersticks – in unserem Fall der Wirkstoff Ixetal Cilona – sind im österreichischen SMG naturgemäß nicht gelistet. Das mag auf den ersten Blick beruhigen, ist aber rechtlich weniger eindeutig, als es scheint.

Zieht man einen Vergleich zu real existierenden Substanzen, so drängen sich Parallelen zu klassischen Halluzinogenen und Neurotoxinen auf: Killersticks wirken euphorisierend, halluzinogen, suchtauslösend und letztlich tödlich. Das klingt nach einer Kombination aus Heroin, LSD und einem ausgewachsenen Nervengift. Für all diese Kategorien gibt es im SMG klare Regelungen – und klare Grenzmengen.

Das Problem der fehlenden Grenzmenge

Hier liegt das eigentliche rechtliche Spannungsfeld: Im österreichischen Suchtmittelrecht kommt der Grenzmenge zentrale Bedeutung zu. Die Überschreitung der Grenzmenge – also jener Menge, die geeignet ist, die Gesundheit vieler Menschen zu gefährden – ist strafschärfend und kann zu einer Qualifikation nach § 28a SMG führen, also zu einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr und Höchststrafen bis zu fünfzehn Jahren.

Für Killersticks gibt es freilich keine festgesetzten Grenzmengen im österreichischen Recht. Und genau das ist das Problem: Ein Stoff, der nicht im SMG gelistet ist, fällt grundsätzlich auch nicht in dessen Anwendungsbereich – selbst wenn er pharmakologisch verheerende Wirkungen entfaltet.

Ein Vergleich mag das verdeutlichen: Für Heroin (Diacetylmorphin) beträgt die Grenzmenge in Österreich 3 Gramm. Für Methamphetamin sind es 10 Gramm. Diese Werte sind das Ergebnis medizinisch-wissenschaftlicher Begutachtung. Für einen galaktischen Pilzextrakt, der nach einer einzigen Dosis abhängig macht und das Leben verkürzt, fehlt schlicht jede Grundlage für eine vergleichbare Einordnung.

Was würde also gelten?

Würde jemand tatsächlich Killersticks im österreichischen Raum verkaufen – hypothetisch gesprochen –, käme es maßgeblich auf die chemische Zusammensetzung des Stoffs an. Wenn der Wirkstoff einer bereits gelisteten Substanz chemisch ähnelt, könnte eine Subsumtion unter bestehende Kategorien argumentiert werden. Gelingt das nicht, müsste der Gesetzgeber tätig werden und den Stoff in die einschlägigen Anlagen aufnehmen.

Bis dahin würde der Handel mit Killersticks möglicherweise lediglich unter das allgemeine Strafrecht fallen, das SMG selbst käme mangels Listung nicht zur Anwendung.

Elan Sleazebaggano wäre in Österreich also womöglich mit einer – gemessen an den Folgen seiner Ware – überraschend milden Sanktion davongekommen. Ohne Macht-Geistestrick, aber auch ohne SMG.

Fazit

Das fiktive Beispiel der Killersticks zeigt eindrucksvoll, dass das Suchtmittelgesetz nur so weit reicht, wie sein Anwendungsbereich reicht. Neue Substanzen – ob aus einer weit, weit entfernten Galaxis oder aus einem illegalen Labor um die Ecke – können strafrechtlich eine erhebliche Grauzone darstellen, solange der Gesetzgeber nicht reagiert. Im Fall von New Psychoactive Substances (NPS), also neuen psychoaktiven Substanzen, ist dieses Problem längst in der realen Welt angekommen.

In diesem Sinne: Kauft keine Killersticks – weder in Wels noch auf Coruscant.

Möge das Recht mit Ihnen sein!

Es ist nicht immer notwendig, einem Rechtsanwalt ‚gleich‘ Vollmacht zu erteilen. Und genau deswegen habe ich meine Beratungsprodukte geschaffen, damit Sie sich unverbindlich (zu einem fixen Preis) informieren können und erst danach entscheiden, ob Sie überhaupt einen Rechtsanwalt benötigen.

 

Mit Sommer 2025 habe ich die bestehenden Produkte aktualisiert und vereinfacht, sodass Ihnen nunmehr die folgenden drei Beratungsangebote zur Verfügung stehen:

  • Erstberatung im Strafrecht: zB bei einer Ladung der Polizei oder Verhaftung eines Verwandten
  • Besuch in der Justiz-Anstand: die Erstberatung vor Ort
  • Aktensichtung: Sie bringen den Akt und ich schätze Ihre Sache ein

 

Übrigens: es sind für Herbst 2025 noch weitere Angebote geplant, die Sie dann rein online beziehen werden können. Weitere Informationen folgen …

Bildquelle: https://www.katc.com/news/st-mary-parish/st-mary-sheriff-urges-drug-dealers-to-report-their-competition (Abfragedatum: 9.7.2023)

Ein interessanter Ansatz, den dieser Sherriff hier verfolgt: Besser die Konkurrenz verpfeifen als sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen.

Solche Vorhaben enden in Österreich – meiner Erfahrung nach – sehr sehr selten gut. Denn meist wird man schnell selbst zum/zur Beschuldigten und belastet sich selbst bei Straftaten. Daher gilt, wenn man als Beschuldigte/r von der Polizei befragt wird: MUND HALTEN! Wenn die Polizei eine Anordnung zur Festnahme oder Hausdurchsuchung hat, dann wird diese nicht deswegen nicht vollzogen, weil man etwas sagt. Und wenn man nur befragt wird, sollte man – ohne den ganzen Akt mit einem Rechtsanwalt besprochen zu haben – ohnehin schweigen. Auch der Handy-Entsperrcode, sollte vorerst nicht preisgegeben werden, das Handy an darf die Polizei aber bei sich behalten.

Diese Rechte sind – neben anderen Beschuldigtenrechten – in § 49 Strafprozessordnung festgelegt. Nimmt man diese in Anspruch darf das auch nicht negativ gewertet werden. Auch auf die Nachfrage der Polizei warum man denn nichts sagen möchte, braucht man nicht zu antworten, man schweigt.

 

Ja, es stimmt, die Kanzlei Lanzinger macht auch vor den ’neuen‘ Social Media nicht halt. Daher sind wir bereits seit einiger Zeit auf TikTok unter https://www.tiktok.com/@rechtsanwaltlanzinger vertreten. Dort finden Sie kurze Videos zu den Themen Strafrecht und Cybercrime sowie aktuell auch die Reihe ‚Keine Panik im Drogenrecht‚ (zu Suchtmittelrecht). Geplant ist auch eine weitere TikTok-Reihe zum Thema ‚Jugendliche und Sexualstrafrecht‘, wo Sie dann hier auch eigene Blogbeiträge finden werden.

 

Und last but not least gibt es jetzt auch einen Clubhouse-Account. Aktuell ist ein Clubhouse-Talk übrigens für den 16.2.2021 ab 19h zum Thema ‚Hass im Netz‘ geplant, den Sie unter https://www.joinclubhouse.com/event/xLd6nDbx finden. Also gerne einmal reinhören. Weitere Talks sind natürlich geplant!

Etwas sperrig ist die Bezeichnung ‚Antrag auf Einstellung des Ermittlungsverfahrens‘. Umgangssprachlich heißt es eher ‚Einstellungsantrag‘, der in § 108 Strafprozessordnung (StPO) geregelt ist.

Wenig bekannt ist, dass es zwei – durchaus unterschiedliche – Gründe gibt, warum ein solcher Antrag gestellt werden kann:

  • § 108 Abs 1 Z 1 StPO: weil die vorgeworfene Tat nicht strafbar ist = es wurde tatsächlich keine Straftat begangen
  • § 108 Abs 1 Z 2 StPO: weil die bisherigen Ermittlungsergebnisse eine weitere Verfolgung nicht rechtfertigen = es wurde schon genug ermittelt und es wird (voraussichtlich) nicht mehr herauskommen

Ein solcher Antrag ist an die zuständige Staatsanwaltschaft zu stellen, die dann entweder einstellen kann oder binnen vier Wochen den Antrag dem Landesgericht vorlegen muss. Dann muss das Gericht entscheiden, ob das Ermittlungsverfahren eingestellt wird oder nicht. Gegen diesen Beschluss gibt es dann eine Beschwerdemöglichkeit an das jeweilige Oberlandesgericht.

Warum kann ein solcher Antrag sinnvoll sein?

Man kann sich dadurch ’noch aktiver‘ in das Ermittlungsverfahren einbringen und erwirken, dass die Staatsanwaltschaft – wenn sie nicht einstellt – zumindest einmal ‚die Karten auf den Tisch legt‘, also argumentieren muss, warum nicht eingestellt wird. Überdies hat man dann noch die Möglichkeit dies vom Gericht prüfen zu lassen.

In der Praxis ist es wichtig, dass man klar sagt/schreibt, auf welchen der beiden Gründe sich der Antrag stützt. Dies, da es bei § 108 Abs 1 Z 2 StPO eine Wartefrist gibt, bis dieser Antrag überhaupt erfolgreich sein kann.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meine MandantInnen zu betreuen, sondern auch Familienmitglieder und Angehörige zu unterstützen, wenn dies gewünscht ist. Gerade sind es nämlich diese Personen, deren Leben durch eine Hausdurchsuchung oder die Festnahme des Partners vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Und dies oft, ohne dass eine eigene Beteiligung an einer Straftat überhaupt vorliegt.

Wenn man mit dem Mandanten aber im selben Haushalt gewohnt hat oder wohnt, so ist es nur logisch, dass die Ermittlungen auch Angehörige betreffen können. So etwa können diese als ZeugInnen befragt werden. Und genau hier erhalte ich dann öfter die Anfrage, ob man denn nun gegen das eigene Familienmitglied aussagen muss. Inhaltlich kann ich dazu natürlich wenig sagen, auch, weil ich als Rechtsanwalt keine ZeugInnen beeinflussen darf.

Was aber jedenfalls wichtig ist, ist der Hinweis auf das Entschlagungsrecht. § 156 Strafprozessordnung regelt, dass Personen, die gegen einen Angehörigen aussagen müssten, von dieser Aussage befreit sind. Dies gilt jedenfalls hinsichtlich Verwandten (also Eltern, Geschwister, …) als auch gegenüber Ehepartnern oder eingetragenen Partnern. Bei einer Ehe oder eingetragenen Partnerschaft gilt das Entschlagungsrecht auch dann noch, wenn diese nicht mehr besteht, also man zB geschieden ist. Auch bei einer ‚bloßen‘ Lebensgemeinschaft ist man von der Aussage befreit, allerdings NUR, wenn diese noch besteht.

Das Entschlagungsrecht ist bereits bei der Zeugeneinvernahme gegenüber der Polizei möglich, muss aber mitgeteilt werden, etwa mit dem Satz ‚Ich möchte mich entschlagen‘ oder ‚Ich möchte gegen … nicht aussagen‘. Wenn trotzdem dann eine Aussage auf andere Weise zustande kommt, ist diese ’nichtig‘ und kann in einem Strafverfahren an sich nicht verwendet werden.